Warum Deutschland trotz einem tollen Vorentscheid unzufrieden ist

Auf Instagram treibt der Account „unsersong“ wieder sein Unwesen. Ob dieses Profil von offizieller Seite betrieben wird ist unklar. Brainpool versicherte uns, dass es sich dabei nicht um eine Seite von ihnen handelt, eine Antwort vom NDR steht noch aus, aber auch das ist wahrscheinlich ausgeschlossen. Wer diesem Nutzer folgt, hat in den vergangenen Tagen Bilder gesehen, bei denen bereits von „Unser Song für Österreich“ und dem Hashtag #USfÖ die Rede ist. Der ESC ist etwas länger als ein Monat her, ist es jetzt zu früh um einmal über den Vorentscheid 2015 zu spekulieren? Uns liegt der Vorentscheid jedoch sehr am Herzen – Grund genug für uns, sich wieder einmal Gedanken zu machen.

Nachdem ProSieben nach Unser Star für Baku 2012 aus dem ESC ausgestiegen ist, war der Norddeutsche Rundfunk auf sich alleine gestellt. Was kam dabei heraus? Unser Song für Malmö – eine grandiose Show mit „Eurovisionsfeelung deluxe“, so Moderatorin Anke Engelke. Neben der Moderation und den Performances der Künstler wurde das Abstimmungsverfahren sehr diskutiert. Vor allem das Juryvoting stand in der Kritik. Trotz notarieller Aufsicht traute Deutschland den Mitgliedern nicht. Darufhin wurde im folgenden Jahr dieses Voting weggelassen.

Vor allem Fans von LaBrassBanda warfen NDR und Brainpool vor, dass die Show nicht mit echten Dingen zuging. Zwar müssen wir zugeben, dass in den letzten Jahren vor allem verrückte, „andere“ Auftritte (z.B. die Griechen mit ihrem Alkohol 2013 oder Conchita Wurst) recht erfolgreich abgeschnitten haben, jedoch können wir es uns nicht vorstellen, dass bayrisch in Europa gut ankommt.

Die nächste „Nebenwirkung“ von USfM: Siegerin Cascada wurde vorgeworfen, das Lied mehr oder weniger von Loreens „Euphoria“ geklaut zu habem. Ein Gutachten beweiste das Gegenteil. Trotzdem reichte es beim ESC in Malmö nicht für Deutschland: Platz 21. Obwohl sich am nächsten Tag auf Twitter sämtliche Nutzer einen Wiedereinstieg von ProSieben wünschten, versuchte es der NDR zusammen mit Brainpool auch 2014 wieder ohne den Sender aus Unterföhring.

Unser Song für Dänemark – ein komplett neuer Vorentscheid – sollte uns wieder bessere Chancen beim ESC bringen. Über das Clubkonzert sollten die bekannteren Künstler durch Newcomer komplettiert werden. Die Folk-Pop-Band Elaiza löste das Ticket für den Vorenscheid in Köln. Dort setzten sie sich gegen Musikgrößen wie Unheilig und Oceana sowie Newcomer wie Madeline Juno oder MarieMarie durch.

Unglaublich wenn eine unbekannte Band von YouTube gegen eine erfolgreiche Gruppe mit über 3,5 Millionen verkaufen Tonträgern durchsetzt. Umso enttäuschter waren die Fans. Sie warfen den Show-Machern vor, dass das Voting wieder nicht ganz richtig ablief. Zwar machten wir von ESCfans.de auch Beobachtungen, dass man bein Televoting nicht sofort durchkommt, aber dies ist normal für alle Fernsehshows mit so vielen Anrufern. Andere Kritiker waren mit der Moderation von Barbara Schöneberger unzufrieden, sie hätten sich wohl lieber wieder Anke Engelke gewünscht. Auch für die drei Mädels reichte es nicht in Kopenhagen – das Ergebnis: 18. Platz. Trotzdem

Aber vielleicht können wir die deutsche „Eurovisions-Königin“, Anke Engelke, bei Unser Song für Österreich wiedersehen. In ca. einem halben Jahr dürften alle Geheimnisse gelüftet sein und alle Details zu „Unser Song für Österreich“, „Unser Song für Wien“… bekanntgegeben sein. Eine Weiterführung des Clubkonzerts ist nicht auszuschließen. Aber bitte, lieber NDR, bringt die Show ins Erste, möglichst am Wochenende oder in der Primetime – nur so schafft man es, Deutschland für den Vorentscheid zu begeistern. Eine weitere Möglichkeit, den Vorentscheid zu erweitern, wäre eine „Second Chance“. Wieso sollten wir Jennifer Braun, Katja Petri oder Madeline Juno nicht noch einmal die Möglichkeit geben, beim Vorentscheid anzutreten?

Fazit: Es ist nicht nötig, den Vorentscheid komplett zu überdenken und komplett zu überarbeiten. In den letzten Jahren hat sich „Unser Star/Song für…“ zu den besten Vorentscheiden entwickelt – das denken nicht nur wir, sondern auch viele Fans aus ganz Europa. Über Kleinigkeiten werden sich immer einige Menschen aufregen – das können wir Deutschen besonders gut – und das kann man einfach nicht ändern.

Was sagst du dazu? Wie fandest du die letzten Vorentscheide und was wünschst du dir für 2015? Sag deine Meinung und hinterlasse einen Kommentar unter diesem Artikel!

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2 Antworten

  1. Oliver Rau sagt:

    Der NDR ist beim Deutschen Vorentscheid auf einem guten Weg. Er muss nur aufpassen, dass er sich nicht wieder – wie schon 2004 – sämtliche etablierten Künstler verscheucht, in dem er sie gegen ein paar völlige Newcomer antreten (und spektakulär abblitzen) lässt. Die Deutschen stimmen nun mal immer für den Underdog, das war 2004 bei Max Mutzke so und zehn Jahre später bei Elaiza wieder. Ich bin mal gespannt, ob der NDR 2015 noch mal solche Branchengrößen wie Unheilig bekommt…

    Richtig war auf jeden Fall die Entscheidung, die Jury wieder zu canceln und ausschließlich das Publikum entscheiden zu lassen. Allerdings fand ich das Abstimmungsverfahren dieses Jahr unnötig kompliziert, bedingt durch die mehreren Runden und Songs. Und ich hatte im Superfinale niemanden mehr, für den ich anrufen konnte, weil ich zwar Unheilig wollte, aber nicht mit dem in die Endrunde gelangten Song.

    Meinetwegen könnte der Nachwuchswettbewerb entfallen – falls er aber durchgeführt wird, muss an den Auswahlkriterien geschraubt werden. Unter den zigtausend Bewerbern gab es eine unglaublich musikalische und stilistische Vielfalt, im Edelfettwerk gab es dann aber nur zehn Schattierungen von beige: alles klang gleichsam öde. Das fand ich extrem enttäuschend. Bei der Auswahl der etablierten Künstler für USfD hatten die Macher ein besseres Händchen, da war die Bandbreite deutlich besser.

    • Alex sagt:

      Der Vorentscheid war dadurch kompliziert, dass jeder Teilnehmer zwei Songs hatte und dass in der zweiten Runde nur der jeweils zweite Song performt wurde und der erste nicht nochmal vorgetragen wurde. Dass es mehrere Runden gab, war aber eigentlich gar nicht so schlecht, denn durch mehrmaliges Hören kann man sich eine bessere Meinung bilden. Und nicht jeder Zuschauer kennt die Songs so gut, wie ein ESC Fan. 😉 Ich bin mir sicher, dass Unheilig gewonnen hätten, gäbe es nur eine Abstimmungsrunde (so wie beim Melodifestivalen Finale). Durch die mehreren Runden stimmen die Zuschauer einfach „bewusster“ ab.

      Für den nächsten Vorentscheid wünsche ich mir Halbfinals (die müssen ja nicht unbedingt in einer großen Halle ausgetragen werden, das USFO/USFB-Studio in Köln reicht da vollkommen – siehe MGP in Norwegen).
      Sollte das Clubkonzert beibehalten werden (wovon ich ausgehe), sollte es mehr musikalische Vielfalt geben und außerdem sollte jeder Teilnehmer direkt mit einem eigenen Song antreten.

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