Top oder Flop? Mitteleuropa im 3. Teil des Songchecks

Songcheck: Mitteleuropa Teil 1

belgien

Nach Belgiens enttäuschender Platzierung im letzten Jahr mit Axel Hirsoux und seiner ödipalen Huldigung „Mother“ schickt der Beneluxstaat in diesem Jahr den 19-jährigen Loïc Nottet und seine Elektropop-Hymne „Rhythm Inside“ ins Rennen. Der Song erinnert stark an die Produktionen der neuseeländischen Künstlerin Lorde, ohne jedoch  negativ oder als schlechte Kopie aufzufallen. Der junge Belgier bringt frischen, modernen Wind in den Wettbewerb und wird unter den ganzen Balladen mit seinem „We gonna ra-pa-pab, ra-pa-pab, we gonna ra-pa-pab tonight“ sicherlich als willkommene Abwechslung angesehen werden. Auch live wird der zweitplatzierte von „The Voice Belgique“ sein Publikum im ersten Halbfinale am 19. Mai voraussichtlich nicht enttäuschen. Einer Finalqualifizierung sollte aus rein musikalischer Sicht nichts im Wege stehen. Auch das charmante Auftreten des belgischen Hoffnungsträgers sollte nicht unterschätzt werden und seine Chancen auf einen zweiten ESC-Sieg für Belgien erhöhen.

Kommentar aus der Redaktion: Besonders, auffällig, Ohrwurmcharakter, sympathischer Mann und super Song. Einfach Klasse.
Bewertung:
 5 TOP!

niederlande

Nachdem die Niederlande zwischen 2005 und 2012 nicht mehr an einem ESC-Finale teilnehmen durfte, beendete Anouk 2013 jene niederländische Pleiteperiode beim Song Contest, kam ins Finale und sicherte ihrem Heimatland einen respektablen 9. Platz. Im Folgejahr schafften „The Common Linnets“ sogar einen 2. Platz direkt hinter Conchita Wurst, ganz ohne die Hilfe von Anouk. Letztere soll ihr Können aber dieses Jahr wieder unter Beweis stellen und schrieb den Song „Walk Along“ für ihre gute Freundin Trijntje Oosterhuis, die nun ihr Heimatland in Wien vertreten soll und versucht, sich am 19. Mai aus dem 1. Halbfinale ins Finale zu singen. Die 42-jährige gilt als begnadete Sängerin und wird mit ihrem einfacheren Sing-along-song die Stadthalle in der österreichischen Hauptstadt zum Mitschunkeln und Mitsingen bewegen können. Einziger Nachteil: Der charakteristische Refrain wiederholt sich gegen Ende des nur 3-minütigen Liedes recht häufig und wirkt somit eventuell schnell nervig. Eine Qualifikation für das Finale sollte der Niederländerin allerdings gegönnt sein. Verdient wäre sie auf jeden Fall.

Kommentar aus der Redaktion: Auf jeden Fall ein Song zum Mitsingen und Mittanzen. Vielleicht manchmal etwas wiederholend, aber super Stimme.
Bewertung:
4 TOP!

schweiz

Mélanie René tritt dieses Jahr in die Fußstapfen von Sebalter, der letztes Jahr für die Schweiz auf Platz 13 landete. Nach Lys Assia und Céline Dion wartet die Schweiz auf ihren dritten Sieg beim europäischen Song Contest. Nach vielen enttäuschenden Ergebnissen von 2007 bis 2013 soll der Titel „Time To Shine“ 2015 für die Schweiz ein ESC-Highlight werden. Ihren Song singt die Schweizerin mit einer powervollen Stimme, doch wirkt dieser eher wie ein musikalisches Potpourri, in dem möglichst viele Geschmäcker angesprochen werden sollen, was den Titel jedoch weniger authentisch erscheinen lässt. Ob ihre Stimme und ihr Charisma ausreichen werden, um am 21. Mai im zweiten Halbfinale einen Platz für das zwei Tage spätere Finale zu erlangen bleibt abzuwarten. Zumindest erfüllt sie eine ESC-Tradition und folgt der Niederlande (2009), Georgien (2010), Österreich (2013) und Russland (2014), die auch schon versucht haben mit ihren Titeln „Shine“ auf der ESC-Bühne zu strahlen.

Kommentar aus der Redaktion: Sie hat eine gute Stimme und ist hübsch. Ihr Song hat auch etwas, versucht aber zu viele Elemente zu verbinden. Schwer zu sagen was das wird.
Bewertung: 2 FLOP!

sanmarino

Nachdem Valentina Monetta 2014 bereits zum 3. Mal den kleinen Staat beim ESC vertreten hat, verabschiedete man sich 2015 von der begabten Künstlerin, die 2014 für die erste Finalqualifikation San Marinos in der ESC-Geschichte verantwortlich war. Einer Sache bleibt San Marino allerdings treu, und zwar der deutschen ESC-Ikone Ralph Siegel, der nun bereits zum 4. Mal in Folge den san marinesischen ESC-Beitrag komponiert. Ersetzt wird Valentina durch die zwei Kinder Anita Simoncini und  Michele Perniola. Beide konnten beim Junior Eurovision Song Contest bereits Contest-Erfahrung sammeln, gehören allerdings auch zu den jüngsten Teilnehmern in diesem Jahr. Ihr Titel „Chain Of Lights“ strotzt nur so vor Siegel-Mentalität und kann mit der Ikone zweifelsfrei in Verbindung gebracht werden. Jedoch ist der Siegel-Song an sich genauso zwiegespalten wie die Meinungen der ESC-Fans über die Popnummer. Sind die ersten 2 Minuten relativ mysteriös und melodisch dahinplätschernd erlebt der Song anschließend einen Bruch und er wird zur fröhlichen Ballade. Dabei wird der Hörer aus der zuvor aufgebauten Atmosphäre gerissen. Hinzu kommt, dass „Chain Of Lights“ den beiden Künstlern kaum gerecht wird, würde der Titel vermutlich besser zu einer gestandenen Sängerin mit zarter Stimme passen. Wie bei vielen Siegel-Songs ist der Songtext auch beim diesjährigen Beitrag von Belanglosigkeit gekennzeichnet. Kleiner Tipp Herr Siegel: neuer Songschreiber vielleicht und ihre Nummern können im neuen Licht strahlen. Ob es dieses Jahr wieder für eine Finalplatzierung reichen wird, ist fraglich. Bleibt nur zu sagen: Viel Erfolg San Marino.

Kommentar aus der Redaktion: Typisch Siegel. Ist ne nette Idee, aber das Lied ist etwas öde und passt überhaupt nicht zu den beiden Künstlern.
Bewertung: 1 FLOP!

malta

Sehr früh wählte Malta seinen Song für den diesjährigen Eurovision Song Contest und fand seine Hoffnung in der sympathischen Amazone Amber und ihrem Titel „Warrior“. Lange zählte der Song zu den Top-Favoriten, doch dies änderte sich nachdem die Georgierin mit einem zweiten Warrior-Titel an den Start ging. Hinzu kam der Wunsch des maltesischen Senders den Titel von Amber umzugestalten, um ihre Stimme gekonnt in Szene zu setzen. Diese Änderung stieß jedoch bei einigen Fans auf Unzufriedenheit. Durch die Veränderung verlor der Titel an Power und an Individualität und sank in den Fan-Rankings. Seitdem auch der georgische Beitrag überarbeitet wurde, wobei hier der schwedische Super-Komponist Thomas G:son ins Boot geholt wurde, verlor die maltesische Kriegerin in nahezu allen Gegenüberstellungen gegen die georgische Kämpferin. Amber weiß, wie man mit einer ausdrucksstarken und kräftigen Stimme punkten kann, steht aber mit dieser Fähigkeit in Wien nicht alleine dar und muss sich gegen viele andere Powerfrauen durchsetzen. Malta wartet immer noch auf seinen ersten Sieg und setzt demnach alle Hoffnung auf Amber. Ob sie sich gegen die Konkurrenz und vor allem gegen ihre kriegerische Konkurrentin aus Georgien durchsetzen kann, sehen wir am 19., 21. und gegebenenfalls auch am 23. Mai im Finale.

Kommentar aus der Redaktion: Eigentlich ein starkes Lied. Nach der Änderung ein bisschen langweiliger geworden. Dennoch hoffentlich im Finale.
Bewertung:
3 TOP!

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