Deutschland: NDR kündigt Änderungen für den ESC-Vorentscheid an

Ist da etwa ein Umdenken beim NDR im Gange? Nach dem erneut völlig desolaten Ergebnis von Deutschland beim ESC sollen nun Änderungen am Vorentscheid durchgeführt werden. Das geht aus einem Interview mit dem ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber gegenüber der „Hannoversche Allgemeine“ hervor.

Deutschland belegte zum zweiten Mal in Folge beim Eurovision Song Contest den letzten Platz – das will man wohl nun offentsichtlich verhindern, da der Norddeutsche Rundfunk endlich Veränderungen für den deutschen ESC-Vorentscheid ankündigt. Hierbei stehen auch schon Ideen im Raum, wie das neue Konzept aussehen könnte. Gegenüber der „Hannoversche Allgemeine“ hat Thomas Schreiber (ARD-Unterhaltungskoordinator) ein Interview gegeben.

Thomas Schreiber sieht den Fehler wohl darin, dass man den passenden Song nicht aus einer Auswahl von ca. hundert Titel aus einem internationalen Pool gesucht hat. Von diesem Vorhaben wich man ab, als „Unser Star für Baku“ nicht mehr das erhoffte Zuschauerinteresse erreichen konnte. So ganz klar hingegen wird jedoch nicht, ob Schreiber Jamie-Lee für ihren Auftritt beim ESC verteidigt: „Das Lied ist weder die große gefühlsbeladene Ballade noch die mitreißende Uptempo-Nummer, Jamie-Lee konnte nicht zeigen, wie gut sie tanzen kann, und aus meiner Sicht wurde international nicht verstanden, warum Deutschland mit einem Manga-Mädchen antritt.“

Auch reagiert Thomas Schreiber auf die Kritik von Ann Sophie, die er angeblich nach dem Eurovision Song Contest im Stich gelassen haben soll:  „Frau Dürmeyers Erinnerung und die meiner Kollegen von Universal und Brainpool, auch meine eigene, unterscheiden sich doch sehr. Eine zweite Single mit Video sollte es geben, aber die Vorstellungen, was das Video kosten sollte, gingen weit auseinander. Mutig war, als sie uns vorwarf, wir hätten für das Album nicht genug Aufmerksamkeit hergestellt: Im ersten Halbjahr 2015 hatte in Deutschland kein Künstler auch nur annähernd vergleichbar viele Auftrittsmöglichkeiten im Fernsehen und im Radio – daran lag das geringe Interesse nicht.“, sagt er gegenüber der Hannoverschen Allgemeine. Weiterhin habe es Gespräche mit Stage Entertainment und Aida Cruises gegeben, um Ann Sophie Auftritte zu ermöglichen – beide Optionen wollte sie allerdings nicht annehmen. Des Weiteren wirft er sich selbst die Frage auf, weshalb sich Ann Sophie beworben hat, kurz nachdem Xavier Naidoos Nominierung zurückgezogen wurde.

Nun peilt man beim NDR Änderungen für den deutschen ESC-Vorentscheid  an – demnach wird man sich erst auf die Suche nach Songs begeben, die sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Basis beim Song Contest funktionieren können. Erst danach wird man sich um die Inszenierung kümmern. „Das Publikum wird final entscheiden. Auch das Thema Inszenierung gehört dazu – aber da gibt es keine Regeln. Der schwedische Beitrag in diesem Jahr war extrem reduziert und konzentrierte sich auf den Sänger, auch bei Lenas Siegesauftritt in Oslo war das so. Der russische Beitrag zog dagegen alle technischen Register und war in der Durchführung beeindruckend, aber seelenlos.“, sagt Thomas Schreiber, der nicht plant, seinen Posten zu räumen.

Nun können wir also gespannt sein, wie der zukünftige deutsche Vorentscheid aussehen wird – denn Veränderungen sind dringend nötig, damit Deutschland sich nicht wieder für einen erneuten letzten Platz rechtfertigen muss. Eine Auszeit beim ESC kommt für Thomas Schreiber nicht in Frage, da der Wettbewerb in Deutschland eine große Fanbase besitzt. Es liegt nun an den Norddeutschen Rundfunk intensive Überlegungen über den Sommer zu führen, damit man unseren Beitrag 2017 wieder als konkurrenzfähig bezeichnen kann.

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